20.03.2014

ANGSTRÄUME UND ANGSTTRÄUME

Ich hab echt keine Ahnung, wie genau diese Arbeit mit Geografie und Wirtschaftskunde verbunden ist, aber ich setze mich mal ran und schreib etwas darüber. Aus dem einfachen Grund weil kein anderer dieses Thema nehmen wird. Nehme ich jetzt sehr stark an.

Weiters, hab ich mir gedacht, schreib ich parallel dazu mit wie es mir mit dem schreiben geht.
Hier ist die „Dokumentation“ meines Gemütszustandes.

22:46 – Es geht mir gut, ich bin nur etwas verwirrt und mit mir selbst nicht ganz im klaren was ein Angsttraum eigentlich ist. Ich denk einmal etwas darüber nach.

22:58 -  Ich bin mir jetzt immer noch nicht ganz im klaren, was Angsträume sind, doch ich hab zumindest herausgefunden, dass es um Angst Räume geht und nicht um Angst Träume. Weiters ist hab ich eine Art „Schreibblockade“.

23:05 -  Mir ist das Beispiel, dass ich in der zweiten Frage darbiete eingefallen, und mir ist schlecht. Aber ich halte durch. Ist schon zu spät um etwas anderes anzufangen.

23:17 – Oh mein Gott, ich hab irgendein Flashback oder so einen Mist, warum schreib ich das genau? Das hat rein gar nichts mit Geo zu tun.

23:23 – Ich  verlier mich in Details und durchleb ein Kindheitstrauma um halb Zwölf in der Nacht.
Yaaaaay, Geografie!

23:27 – Ich hab herausgefunden, woher meine, mittlerweile losgewordene, Angst vor Gewittern herkam. Deep Stuff.

23:30 – Wow, jetzt nochmal die Unterstufe durchleben, mir dreht sich so schon alles im Magen um.

23:35 – Ich hab begonnen zu essen.

23:39 -  #Selbsttherapie

23:46 – hoffentlich geht sich das noch aus. Ich weiß nämlich nicht wie viel ich noch schreiben werde.

23:54 – Omg ich shcaffs noch. Gleich hab ihcs.

23:57 – mgomgomgoogmomgogmomgo omg omg omg omg

Was sind für dich persönlich Angsträume? Welche Merkmale haben sie, wo befinden sie sich ganz konkret in deinem Leben?

Für mich ist ein Angstraum schlichtweg eine Umgebung in der man nicht sein will. Also, nicht unbedingt an einen Ort gebunden, sondern mehr durch die Bedingungen durch die diese Situation entstanden ist. Dazu gehören Geräusche, Bilder, Gerüche – alle Sinne dazu. Nicht nur die Stelle.
Somit kann ein Angstraum jederzeit entstehen.
Weiters, in meinem Leben habe ich nur mehr wenige Angsträume. Das soll bitte nicht prahlend rüber kommen, es ist nur so, dass ich mittlerweile wenige Situationen wirklich fürchte. Aufregung ist bei mir aber sehr oft mit im Spiel, nur die setze ich nicht mit Angst gleich. Meine Angsträume drehen sich mehr um das „was wäre wenn“ - also keine reale Situation, sonder das davor. Auch sind fast immer andere Menschen involviert

Hast du schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht und sich so ein Angstraum manifestiert?

Ein gute Beispiel, dass mir dazu einfällt, ist der mögliche Verlust meiner Eltern. Es geht wieder um die Möglichkeit, denn obwohl der wahre Verlust schrecklich wäre, ist die Unklarheit schlimmer für mich gewesen. Denn die Unklarheit war für mich mit Verlust gleichzusetzen.
Ich war da vielleicht 8 oder 9. All dies geschah über einen Samstag hinweg.
Meine Eltern beschlossen nach Polen zu fahren, dort ein paar Sachen zu kaufen, und dann am Abend wieder da zu sein. Ich verstand das auch vollkommen. In Polen sind die Produkte billiger, doch der Hauptgrund war die andere Auswahl. Ist ja ein anderes Land, wisst du.
Auf jeden Fall waren meine Eltern so weitsichtig und haben nicht von mir erwartet, dass ich mit 8/9 Jahren für mich selbst sorgen konnte, auch wenn es nur ein Tag war, und haben mich deshalb bei meiner Oma und ihrem Ehemann abgelegt. „Abgelegt“ klingt vielleicht herzlos, aber mir fällt kein besseres Wort dafür ein. Sie wollten mich dort um ca. 6 Uhr in der Früh hinbringen, dann nach Polen fahren – shoppen – und vor Mitternacht wieder da sein. Also Hartcore für alle beteiligten. Die fahrt dauert zwischen fünf und sieben Stunden, also nichts unmögliches. Als sie wegfuhren war auch alles ok, denn es war ja nix neues für mich, dass meine Eltern nach Polen fuhren, auch wenn das, dass erste mal war, dass ich „alleine“ in Wien blieb.
Fast-forward. Meine Eltern hätten erst um 9 Uhr oder 10 Uhr da sein sollen. Es war aber noch nicht so spät. Ich kann mich nur erinnern, dass es draußen warm war, weil ich ohne Jacke am Abend draußen stand. Und an dem Abend ist irgendein dummer „Angstraum“ spontan entstanden und hat beschlossen sich zu manifestieren. Ich bitte dich, also den Leser, zu verstehen, dass Ängste nicht rational sind. Sie sind meist irgendein Hirngespinst.
Es war also Abend, meine Eltern hätten noch nicht da sein sollen, da bekam ich Angst um sie. Die Sonne ging gerade unter, und man hat die Kondensstreifen des Fliegers gesehen, welche im Abendlicht der Sonnenstrahlen rot-orange geglüht haben. Tja, und mein Kleinkindhirn hat sich eingeredet, dass das ein Meteorit war. So lächerlich das auch klingen mag, ich war vehement davon überzeugt, dass das Flugzeug ein Meteorit war. Außerdem hab ich mir noch eingebildet, dass dieser Meteorit meine Eltern töten wird. So, das war mein Angstraum. Ich hatte panische Angst davor, keiner konnte mich beruhigen, der Lebensgefähre meiner Oma nicht, meine Oma ja selbst schon nicht, die ist leider im Rollstuhl und hat Alzheimer, und die Nachbarn erst recht nicht. Ich stand dort, komplett gefroren und beobachtete diesen „Meteoriten“. Nach weiteren Stunden kamen meine Eltern dann irgendwann um ca. 1 Uhr in der Nacht zurück, und rettet mich aus meiner Wahnvorstellung.
Nach der ganzen Sache hab ich spontan eine Angst vor Gewittern entwickelt, also nehme ich an, dass mich das irgendwie traumatisiert haben muss.

Woher kommt die Angst vor bestimmten Räumen?

Ich denke, dass bei mir diese Angst (die vor Gewittern) einfach nur entstand, weil ich nicht wollte, dass etwas unkontrollierbares mir jemanden wegnimmt. Gewitter können durchaus furchteinflößend sein.
Oft entstehen solche Angsträume durch ähnliche Erlebnisse, die aber nicht direkt etwas mit der Sache zu tun haben müssen. Bei mir war es halt ein Flugzeug, dass am falschen Ort zur falschen Zeit vom falschen Kind gesehen wurde, und dann eben eine Angst getriggert hat, die objektiv, nichts damit zu tun hat. Wenn man dann aber nachdenkt, kann man schon Verbindungen finden, wieso jetzt was passiert.

Angstraum Schule: Ist für dich die Schule ein Angstraum? Welche Räume in der Schule magst du nicht so besonders? Begründe.

Mittlerweile ist die Schule kein Angstraum mehr für mich. Jetzt ist sie mehr ein entfliehender Teil meines Lebens, an dem ich festhalten will, aber nicht kann, da durchfallen doppelt ungeil ist, zuerst wegen dem Durchfallen selbst, und dann wegen der tollen VWA & co.
Früher war aber die Schule ein Angstraum für mich. Dieses mal wirklich – ein Raum. Ein rieeeeesen Raum, in dem ich einfach mal für 6 Stunden absitzen musste.
Nachdem ich die Volksschule abgeschlossen haben, zwar mit einer zwei in Deutsch, aber ich spiel jetzt einfach mal die Auslandskarte, konnte ich es kaum erwarten mit meinen „Freunden“ ins Gymnasium zu gehen. Ich werde die jeweiligen Personen anonymisieren, so dass nur Leute wissen von wem ich red, die hoffentlich bemerkt haben was passiert ist.
Meine Freunde und ich gingen schon ein halbes Jahr ins Gymnasium, da haben N und T aus schierer Lust gegen mich gewendet. T und ich waren in der Volkschule sehr gute Freunde. Wir waren echt super befreundet. N war auch ein guter Freund von mir, wahrscheinlich sogar ein besserer als T. Die beiden haben dann langsam begonnen Leute gegen mich aufzuhetzen. Das erste Jahr war noch erträglich, der Anfang des zweiten Jahres war schon härter, und dann war einfach der Höhepunkt erreicht. Es muss das Ende der zweiten Klasse gewesen sein, oder Anfang der dritten, diese Drecksjahre sind bei mir vollkommen verschmiert und ich kann mich nur an einige wenige Dinge erinnern, aber an diese Tage erinnere ich mich ziemlich klar. Ich wachte ganz gemütlich auf, mir wurde schlecht bei dem Gedanken an Schule – doch nichts schlimmes. Dann ging ich zur Schule, wo ich mir auch noch nicht viele Sorgengemacht hab. Doch ab dem Moment an dem ich das Schulgebäude betreten habe, also den Raum Schule, hat sich bei mir einfach nur der Magen umgedreht. Ich hab nur darauf gehofft, dass dieser Tag ruhig verlaufen wird. Doch an diesem Tag hätte es nicht so sein sollen. Ich betrat die Klasse, und wurde von einem schrillen Konzert aus dutzend Stimmen mit einem lauten „SCHLEIMI“ begrüßt. Ich ließ mir nix anmerken, aber wehgetan hat es schon, wie eine ganze Klasse so gezielt eine Person hassen kann. Ich hatte in der Zeit auch nicht wirklich jemanden in der Klasse mit dem ich reden konnte, ich hing halt mal hier und mal dort rum. Aber meine „Clique“, so wie die coolen Kinder das jetzt sagen, hatte ich nicht.
   Dieses Mobbing ließ dann langsam ab, und gegen Ende der vierten Klasse hab ich dann zwei Lehrer dazugeschaltet, aber es war halt spät. Immerhin verlief der Rest der vierten Klasse dafür ruhig. Ich habe natürlich mit meinen Eltern geredet, und die wollten mir auch helfen, aber die Eltern dieser H********e wollten nicht.
Mittlerweile fühle ich mich in der Klasse doch gut integriert, und innerlich weine ich doch manchmal dem „was wäre wenn“ nach. Einfach, einer Unterstufe die nicht aus kompletter Scheiße bestand. Aber... diese Zeit hat mich ziemlich geprägt. Ich hoffe im Positiven.

Was denkst du über Menschen, die große Angst haben, sich im öffentlichen Raum zu bewegen?

Ich kann diese Menschen vollkommen verstehen. Ich persöhnlich kenne solche Menschen, die, wenn sie öffentlich unterwegs sind, immer Dinge sagen, wie „Wieso schaut mich die so an?“ oder „Hast du den Blick von dem Typen da gesehen, stimmt etwas mit mir nicht?“ Mir tut so etwas insofern weh, da es mir schwer fällt zu verstehen, wieso manche so darauf achten wie sie aussehen. Damit meine ich keine Hygiene, sonder Kleinigkeiten, die ja eh keinem Auffallen. Hierbei denke ich, dass mich die Unterstufe des tollen G11 ziemlich abgehärtet hat, denn ich achte nicht wirklich darauf was andere von mir denken. Es ist noch nicht ganz so wie ich es mir wünsche, aber die  IDGAF (Kurz für „I don't give a fuck“ -  das was die coolen Kidz heute sagen) Einstellung war damal ein notwendiges Übel, und die haftet leider an den, möglicherweise falschen Stellen, immer noch.

Wie kann man seine Angst vor Angsträumen überwinden? Soll man das überhaupt?

Man kann es definitiv. Es ist möglich aus jeder Krise herauszukommen, alles lässt sich lösen. Angsträume sind einfach nur eine weitere Manifestation des irrationalen Dinges was die Angst ist.
Jeder der das ließt, und vielleicht Angst vor etwas hat, sollte es am besten machen. In den Raum eintauchen und dort bleiben, bis das Problem weg ist. Hätte ich damals die Möglichkeit gehabt, einfach das Mobbing hinter mich zu bringen, in dem ich Schulen wechsle, hätte mir das damals sicher geholfen, aber ich wäre jetzt einfach ein komplett anderer Mensch. Und selbst wenn mir oft die Worte „Arschloch“ oder „unsensibel“ nachgeworfen werden, komme ich halt so rüber.
Und ob man das soll? Was ist das für eine Frage? NATÜRLICH. Ich hatte, bis vor zwei Minuten, noch einen super Ansatz für diesen Teil der Frage, aber den hab ich jetzt verloren, deswegen schreib ich jetzt diese Satzwurst. Es ist absolut notwendig, dass wird, als Menschen, unsere dummen und unnötigen Ängste loswerden, und dann über sie hinaus wachsen. Hätte ich mir damals all die Kommentare und Namen ans Herz genommen, wäre ich jetzt sicher niemand der gerne referiert. Aber, so denke ich zumindest, bin ich darüber hinausgewachsen. Ah, da hab ich den roten Faden wieder. Nein, doch nicht. Gott, in 3 Minuten ist es morgen. Danke fürs lesen.

Markus Kulawik

4 Kommentare:

  1. Doch, jetzt weiß ich was ich am Ende noch sagen wollte. Der ganze Text war ja eine Form von Überwindung. Deswegen - Go Go Überwindung!

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  2. Bester Text den ich seit langem gelesen hab :)

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  3. respekt, dass du so offen über privates schreibst!

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  4. Lieber Markus,

    1. WOW, so einen außergewöhnlichen Text habe ich schon lange nicht mehr gelesen...
    2. Ich war stellenweise wirklich geschockt, vor allem als ich glaubte, deine Eltern sind wirklich gestorben...!! (Spricht für deine schriftstellerischen Qualitäten!)
    3. Du hast unglaublich persönlich geschrieben und dafür DANKE!
    4. "Was wäre wenn...", das ist natürlich immer so eine Sache. Man kann es sich fragen, aber wie du eh selbst bemerkt hast, bringt es nicht viel, denn die Antwort ist immer die gleiche (meiner Meinung nach): Man wäre ein anderer Menschen bei was wäre wenn, aber das ist man nun mal nicht und das ist auch gut so - die meiste Zeit zumindest!
    5. Ich finde deinen trockenen Humor, den du immer wieder beweist, einfach wahnsinnig komisch!
    6. Dass du so eine furchtbare Mobbing-Erfahrung durchmachen musstest, tut mir wirklich leid für dich, da haben deine LeherInnen und die Schule generell ziemlich versagt! Da gibt es keine Ausreden!
    7. Danke für die Erklärung von IDGAF - ich gehöre leider nicht mehr zu den "coolen Kids", sondern schon zum "alten Eisen"...;-)!
    8. Hut ab, dass du's noch vor Mitternacht geschrieben hast, aber jetzt kann ich's ja sagen: Ich hätte es auch gelten lassen, wenn du es einen Tag später gepostet hättest...! Ich bin ja nicht so! Zuckerbrot und Peitsche...! :-)
    9. Hut ab vor deinem Text.
    10. Das Thema "Angsträume" hat viel mit GWK zu tun, weil das Thema "Raum" zentral für das Fach ist. Die Beziehung von Raum und Mensch, fast schon philosophisch und sehr wissenschaftlich auf vielen Ebenen. "Angsträume" befinden sich da auf der psychologischen Ebene, sind aber meiner Meinung nach auch eine Auseinandersetzung wert!

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